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Historisches

Dr. med. Curt Meyer
(*7.3.1891 †24.11.1984)

Senatsrat a. D. Dr. med. Curt Meyer ist Mitbegründer verschiedener medizinischer Gesellschaften und anderem der Vorläuferorganisation der Berliner Krebsgesellschaft.

Curt Meyer, geboren am 7. März 1891 in Herleshausen entstammte dem deutsch-jüdischen Bildungsbürgertum. Er studierte wie sein Vater Medizin und war als Arzt in Gotha und Berlin tätig. Im März 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet und in das KZ Auschwitz deportiert. Als Häftlingsarzt arbeitete er im Krankenrevier und versorgte dort andere Häftlinge. Im April 1945 wurde er nach Sandbostel gebracht, wo er im Stalag XB mit anderen Häftlingsärzten einen Sanitätsdienst für die KZ-Häftlinge aufbaute. Im Mai 1945 arbeitete Meyer dann als Arzt im Bristish General Hospital in Rotenburg-Unterstedt, bis er selbst wegen einer lebensbedrohlichen Typhuserkrankung behandelt werden musste. Zu allen Zeiten setzte er sich für ein und dasselbe Ziel ein: die Verbesserung der allgemeinen Krankenfürsorge. Nach seiner Genesung richtete er als leitender Arzt der Tuberkulose-Fürsorgestelle in Hannover das Seuchenlazarett Mecklenheide ein. Im April 1946 wurde er zum Dezernenten für Sozialhygiene im Landesgesundheitsamt Berlin ernannt und gestaltete seitdem die Krankenfürsorge der Nachkriegsjahre in Berlin maßgeblich mit.

Gleich nach Amtsantritt wuchs sein Interesse für die Krebserkrankungen. Er stellte eine Zunahme fest, von der er nicht sagen kann, ob sie eine "echte" oder eine altersbedingte ist. Da Meyer gleichzeitig Vorsitzender des Landesausschusses Berlin für Krebsbekämpfung ist, wird der Kampf gegen den Krebs zu einer seiner zentralen Aufgaben. "Die Zunahme des Krebses ist offensichtlich und verlangt eine quantitative und qualitative Verbesserung der Bekämpfungsmethoden", schreibt er in einem Bericht aus dem Jahr 1952. Mit einer verbesserten Aufklärung der Bevölkerung und ärztlicher Weiterbildung will er dem "Kernproblem" zu Leibe rücken: Die Früherfassung des Krebses, so Meyer, erfolge in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle zu spät. Zudem erkennt er als einer der ersten, wie wichtig soziale und psychologische Unterstützung für die Rehabilitation von Krebskranken ist. Die Beratungsstellen für Krebskranke in den Gesundheitsämtern gehen auf seine Initiative zurück.

Aus dem Landesausschuss Berlin für Krebsbekämpfung geht am 29. Oktober 1957 schließlich die Berliner Krebsgesellschaft hervor - wenige Tage nach Meyers Pensionierung. Über zwanzig Jahre führte Meyer die Geschäfte dieser Gesellschaft, die heute den Namen 'Berliner Krebsgesellschaft' trägt. Für seine Verdienste als Arzt und Gesundheitspolitiker erhielt er 1957 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, 1981 wurde er zum Träger der Ernst-Reuter-Plakette. 1984 stirbt der Auschwitzüberlebende im Alter von 93 Jahren in Berlin.

Die Berliner Krebsgesellschaft hält bis heute seinen Namen in Ehren, denn Dr. Curt Meyer verkörperte wie kein anderer Kontinuität, schöpferische Kraft und Engagement bei der Krebsbekämpfung. Er hat in Berlin zentrale Weichen gestellt und damit die heutigen Versorgungsstrukturen geformt. Außerdem verdanken wir ihm die Existens unserer Gesellschaft. Die Berliner Krebsgesellschaft vergibt seit 1988 einen Forschungspreis, der den Namen ihres Gründers trägt. Der „Curt Meyer-Gedächtnispreis“ gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen für junge Krebsforscher in Berlin.

* Meyer, Curt: Die fürsorgerische und organisatorische Krebsbekämpfung in Berlin 1945 - 1952. Hrsg: Senatsverwaltung für Gesundheitswesen. Berlin.

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