Curt Meyer-Gedächtnispreis für herausragende Krebsforschung

Der Curt Meyer-Gedächtnispreis gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen für junge Krebsforscher in Berlin. 1988 zum ersten Mal von der Berliner Krebsgesellschaft verliehen, soll der mit 10.000 Euro dotierte Forschungspreis die Spitzenforschung in Berlin stärken und Nachwuchswissenschaftler zu herausragenden Leistungen animieren. Der Preis dient dem ehrenden Gedächtnis an den Berliner Senatsrat Dr. med. Curt Meyer (1891-1984), dessen Name eng mit der Krebsfürsorge verbunden ist. Meyer war Gründungsmitglied und langjähriger Geschäftsführer des Landesausschusses Berlin für Krebsbekämpfung e.V., aus dem 1957 die Berliner Krebsgesellschaft hervorgegangen ist.

Sie forschen in Berlin auf dem Gebiet der Krebsmedizin, haben das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten und bereits eine oder mehrere herausragende Arbeiten publiziert? Dann sind Sie vielleicht ein Kandidat für den Curt Meyer-Gedächtnispreis.

Die Berliner Krebsgesellschaft e.V. vergibt den „Curt Meyer-Gedächtnispreis“ in Höhe von 10.000 EUR zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Land Berlin. Durch das Herausstellen von Vorbildern wollen wir die Spitzenwissenschaft im Bereich der Krebsmedizin vorantreiben.


Preisträger 2022

Dr. Frederik Bartels, Charité

Dr. Frederik Bartels, Neurologe von der Klinik für Neurologie an der Charité Universitätsmedizin erhält in diesem Jahr den renommierten Curt Meyer-Gedächtnispreis. Der Preis ist der wichtigste Förderpreis für junge Krebsforscher:innen in Berlin. Gegen das Gehirn gerichtete Autoantikörper können zu Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen bei Menschen mit Tumorerkrankungen führen. Das fand Dr. Frederik Bartels am Beispiel des Lungenkrebs heraus. Die Verleihungen des Preises fand auf dem Deutschen Krebskongress 2022 in der Plenarsitzung Lungentumoren im CityCube Berlin statt.



Preisträger Dr. Frederik Bartels

Preisverleihung beim Deutschen Krebskongress 2022: Laudatorin Prof. Petra Feyer, Vorstandsvorsitzende der Berliner Krebsgesellschaft e.V. (rechts) und Geschäftsführerin Barbara Kempf ehren den Preisträger Dr. Frederik Bartels. Foto Gregor Zielke

Warum haben Tumorpatient:innen Schwierigkeiten mit der kognitiven Leistungsfähigkeit? Mit dieser Frage beschäftigt sich die von der Berliner Krebsgesellschaft e.V. ausgezeichnete Arbeit von Dr. Frederik Bartels, der an der Charité als Teilnehmer des Clinician Scientist Programms von Charité und Berlin Institute of Health (BIH) forscht.

Häufig leiden Menschen mit einer Krebserkrankung an kognitiven Defiziten (sogenannte „cancer-related cognitive impairments“, CRCI). Das können Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitsstörungen sein, die aufgrund des verbesserten Langzeitüberlebens bei Tumorerkrankungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Diese kognitiven Beeinträchtigungen entwickeln sich unabhängig von einer Chemotherapie oder Bestrahlung und treten teilweise sogar vor Beginn der Tumortherapie auf.
Das ist auch bei Patient:innen mit Lungenkarzinom der Fall. Zur Ursachenforschung nahmen Neurologe Dr. Frederik Bartels um die Arbeitsgruppe „Kognitive Störungen bei neurologischen Erkrankungen“ von Prof. Carsten Finke bestimmte neuronale Autoantikörper in den Blick. Diese fehlgeleiteten Abwehrstoffe richten sich gegen das eigene Gehirn, anstatt vor Erregern zu schützen. Bartels und Team untersuchten erstmalig systematisch den Zusammenhang dieser neuronalen Autoantikörper und kognitiven Defiziten bei Patient:innen mit kleinzelligem und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Ihre Querschnittsstudie wies bei mehr als zwei Drittel der 167 Patient:innen mit Lungenkarzinom Autoantikörper gegen das Gehirn nach, die mit kognitiven Beeinträchtigungen in Verbindung stehen.

„Was wir im Rahmen der Studie sehen ist, dass bestimmte Autoantikörper bei Lungenkarzinompatient:innen häufiger auftreten, als bei gesunden Menschen. Wir gehen beim Verständnis der Antikörper davon aus, dass es unterschiedliche Ursachen gibt, warum sie sich gegen das eigene Nervensystem richten. Die Tumorerkrankung kann ein Auslöser für diesen Mechanismus sein,“ so Frederik Bartels. Wenn also Lungenkrebspatient:innen an Aufmerksamkeitsstörungen oder Störungen des verbalen Gedächtnis leiden kann das daran liegen, dass sich das eigene Immunsystem  gegen neuronale Strukturen im Gehirn wenden.

Professorin Petra Feyer, Vorstandsvorsitzende der Berliner Krebsgesellschaft e.V., überreichte den Curt Meyer-Gedächtnispreis im Rahmen der Plenarsitzung Lungentumore beim Deutschen Krebskongress 2022. „Die Forschungsergebnisse von Dr. Frederik Bartels sind zukunftsträchtig. Denn sie können dazu beitragen, dass neue Therapiemöglichkeiten in der Behandlung von immunvermittelten neurologischen Beeinträchtigungen bei Patient:innen mit Lungenkrebs entwickelt werden.“

Über den Curt Meyer-Gedächtnispreis 

Die Berliner Krebsgesellschaft verleiht den Curt Meyer-Gedächtnispreis seit 1988. Mit 10.000 Euro zählt der Forschungspreis zu den höchst dotierten Auszeichnungen in Deutschland auf dem Gebiet der Krebsmedizin. Der Preis dient dem ehrenden Gedächtnis an den Berliner Senatsrat Dr. med. Curt Meyer (1891-1984), der nach praktischer und kommunalärztlicher Tätigkeit in Thüringen und Berlin 1944 verhaftet und in das KZ Auschwitz deportiert wurde. Nach 1945 reorganisierte der spätere Träger der Ernst-Reuter-Plakette das Gesundheitswesen im ehemaligen Westberlin, vor allem die Gesundheitsfürsorge. Die Berliner Krebsgesellschaft e.V. ist aus dem Landesausschuss Berlin für Krebsbekämpfung e.V. hervorgegangen, dessen Gründungsmitglied und Geschäftsführer Dr. Curt Meyer war.

Preisträger:innen 2021

Dr. Laura Schmalbrock , Charité, und Matthias Jürgen Schmitt, MDC

Dr. Laura Schmalbrock

Die Hämatologin Dr. Laura Schmalbrock wird für ihre Forschungsarbeit über die Mechanismen von Therapieversagen bei Blutkrebs ausgezeichnet. Die akute myeloische Leukämie (AML) ist die am häufigsten auftretende Form der akuten Leukämie bei Erwachsenen. Dabei kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung unreifer Vorläuferzellen bestimmter Blutzellreihen. Diese Erkrankung ist ein Forschungsschwerpunkt von Dr. Laura Schmalbrock von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie am Charité-Campus Benjamin Franklin.

Die Ursachen, die zu einem Therapieversagen führen, sind bislang erst wenig erforscht. Schmalbrock untersucht, warum manche Patientinnen und Patienten mit AML auf eine bewährte Behandlungsmethode mit sogenannten Tyrosinkinase-Inhibitoren – einer spezifischen Wirkstoffklasse – in Kombination mit Chemotherapie nicht reagieren oder nach Ansprechen einen Rückfall der Krankheit erleiden.

Um die Mechanismen dieser Resistenzentwicklung gegen die Behandlung zu untersuchen, führte die Hämatologin Mutationsanalysen mittels Exon-Sequenzierung bei 75 Patientinnen und Patienten mit AML durch. Durch den Vergleich der Mutationen zum Zeitpunkt der Diagnose und zum Zeitpunkt des Rückfalls identifizierte Dr. Schmalbrock Veränderungen der Mutationsmuster, die bei der Resistenzentstehung eine Rolle spielen. Dieses Wissen trägt nun dazu bei, zukünftig besser zu verstehen, warum Therapien in dieser entsprechenden Kombination bei AML scheitern können.

Preisverleihung bei der Jahrestagung der DGHO: Laudator Prof. Dr. Lars Bullinger, Direktor der Med. Klinik m.S. Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie (r.) und Barbara Kempf (l.), Geschäftsführerin der Berliner Krebsgesellschaft e.V. ehren die Preisträgerin Dr. Laura Schmalbrock. © DGHO | Timo Schmidt


Matthias Jürgen Schmitt

Der Molekularbiologe Matthias Jürgen Schmitt untersucht mit Hilfe „molekularer Reporter“, wie das Glioblastom – der häufigste bösartige Gehirntumor– resistent gegen Therapien werden kann. Schmitt ist Doktorand in der Arbeitsgruppe „Molekulare Onkologie“ von Dr. Gaetano Gargiulo am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Gemeinsam mit Yuliia Dramaretska und Juan Carlos Company Nevado hat er molekulare Reporter entwickelt, mit deren Hilfe er untersucht, wie es Glioblastomen gelingt, resistent gegen jegliche Therapie zu werden – und wie man dies verhindern könnte.

Jedes Jahr erkranken etwa 4.800 Menschen an diesem sehr aggressiven Tumor. Anders als bei vielen anderen Krebserkrankungen, kehrt der Tumor auch nach Operation und anschließender Bestrahlung unweigerlich zurück. Um nach neuen Therapieoptionen suchen zu können, müssen die Resistenzmechanismen aufgedeckt werden. Molekulare Reporter machen den „Identitätswechsel“ sichtbar, den die einzelnen Zellen eines Glioblastoms im Laufe der Zeit durchmachen, insbesondere wenn der Tumor nach der Therapie zurückkehrt.

Molekulare Reporter sind synthetische Kopien von DNA-Sequenzen, welche die Aktivität jener Gene regulieren, die die Zennumwandlung in Gang setzen oder stoppen. Einzelansicht „Wir haben quasi das komplette ,Regulatom‘ dieser Signaturgene in einem kleinen DNA-Stück zusammengefasst und mit einem fluoreszierenden Protein verknüpft“, erklärt Schmitt. „Wenn sich der Zellzustand ändert, werden bestimmte Transkriptionsfaktoren aktiv, binden an den entsprechenden Zielgenen – und an unseren Reporter. Und dann geht in der Zelle das Licht an.“

So können die Forscher*innen unter anderem zeigen, dass Immunzellen die Tumorzellen regelrecht verteidigen, anstatt sie zu bekämpfen. Sie können auch in Echtzeit verfolgen, wie einzelne Tumorzellen auf bestimmte Therapien reagieren. Das Team will nun herausfinden, ob und wie es möglich ist, die Immunzellen davon abzuhalten, die Tumorzellen zu unterstützen.

Preisverleihung bei der Jahrestagung der DGHO: Matthias Jürgen Schmitt erhält den Forschungspreis von Laudator Prof. Dr. med. David Horst, Direktor des Instituts für Pathologie Charité - Universitätsmedizin Berlin und Mitglied im Vorstand der Berliner Krebsgesellschaft e.V. © DGHO | Timo Schmidt

 

 

Preisträger 2020

Prof. Dr. med. Dominik Paul Modest , Charité

Prof. Dr. med. Dominik Paul Modest, Facharzt für Hämatologie und Onkologie und Oberarzt der Charité, durfte sich über den angesehenen Curt Meyer-Gedächtnispreis 2020 freuen. Der Preis ist der wichtigste Förderpreis für junge Krebsforscher in Berlin. Er ist mit 10.000 Euro dotiert. Der 38-jährige Onkologe erhielt den Preis für seine herausragende Forschung zur Therapieoptimierung von metastasiertem Darmkrebs - einer häufigen und oftmals tödlich verlaufenden Tumorerkrankung. Die Verleihung des Preises fand coronabedingt im kleinen Kreis statt. Hier zum Video

Preisträger Prof. Dr. med. Dominik Modest

Preisträger Prof. Dr. med. Dominik Modest, Oberarzt der Klinik mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie an der Charité

Prof. Dr. med. Dominik Modest – ein Experte für den metastasierten Darmkrebs

Seit 2009 forscht Prof. Dr. Dominik Modest an neuen Therapieregimen beim Darmkrebs im metastasierten Stadium. Er entwickelte und betreute mehrere Multicenterstudien im Rahmen des Studienprogramms der Internistischen Arbeitsgemeinschaft Onkologie (AIO) in der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. Seine Forschungsthemen sind Therapiesequenz, Therapieintensität, Personalisierung der Therapie, sowie interdisziplinäres Management der Patienten. In den letzten Jahren konnte Prof. Dr. Modest eine Vielzahl von Publikationen veröffentlichen - darunter drei Beiträge in Erstautorenschaft im renommierten Journal of Clinical Oncology. Zuletzt ist von ihm im Jahr 2019 eine Untersuchung zur Erstlinientherapie von Patienten mit metastasiertem Darmkrebs erschienen. Der Forscher und seine Mitautoren beschreiben hierin die Wirkung der Dreifach-Chemotherapie FOLFOXIRI kombiniert mit dem EGFR-Antikörper Panitumumab im Vergleich mit der Dreifach-Chemotherapie allein. Direkte Vergleichsstudien zu diesen beiden Therapieansätzen fehlten bisher. Die Studie konnte zeigen, dass eine Intensivierung der Standardtherapie durch die zusätzliche Gabe des Antikörpers zu einer signifikant höheren Ansprechrate und zu einer Schrumpfung des Tumors sowie einer tiefen Remission führen. Auch die prognostisch relevante, sekundäre Resektionsrate war signifikant erhöht und das Gesamtüberleben zeigte einen positiven Trend. Der Preisträger Prof. Dr. Dominik Modest hat an der FU Berlin Humanmedizin studiert. An der Charité promovierte er im Jahr 2009 mit einer Arbeit über humane Hepathozyten. Von 2009 bis 2019 forschte Modest an der LMU München. Nach seiner Promotion an der Charité erhielt er 2015 die Lehrbefugnis für das Fach Humanmedizin. Seit 2019 ist er Oberarzt der medizinischen Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie an der Charité.

Originalpublikation: FOLFOXIRI Plus Panitumumab As First-Line Treatment of RAS Wild-Type Metastatic Colorectal Cancer: The Randomized, Open-Label, Phase II VOLFI Study (AIO KRK0190), Modest DP et al. im Journal Clinical Oncology 2019 Dec 10;37(35):3401-3411

Hinweis

Bitte besuchen Sie diese Seite wieder ab dem 15.12.2022 für Informationen zum Stichtag für die nächste Antragsrunde.

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