Curt Meyer-Gedächtnispreis für herausragende Krebsforschung
Der Curt Meyer-Gedächtnispreis gehört zu den renommiertesten Auszeichnungen für junge Krebsforschende in Berlin. Der Forschungspreis wurde 1988 zum ersten Mal von der Berliner Krebsgesellschaft e.V. verliehen.
Der Preis dient dem ehrenden Gedenken an den Berliner Senatsrat Dr. med. Curt Meyer (1891-1984). Dr. Meyer wurde nach praktischer und kommunalärztlicher Tätigkeit in Thüringen und Berlin 1944 verhaftet und ins KZ Auschwitz deportiert. Nach 1945 reorganisierte er als Dezernent im Landesgesundheitsamt das Gesundheitswesen im damaligen Westberlin, vor allem die Gesundheitsfürsorge. Meyer war Gründungsmitglied und langjähriger Geschäftsführer des Landesausschusses Berlin für Krebsbekämpfung e.V., aus dem 1957 die Berliner Krebsgesellschaft e.V. hervorgegangen ist. Bereits 1949 erkannte er, dass Früherkennung und Aufklärung, die Entwicklung besserer Behandlungsmöglichkeiten und eine Krebsstatistik wichtige Instrumente der Krebsbekämpfung sind. Als einer der Ersten zeigte Curt Meyer auf, wie wichtig soziale und psychologische Aspekte für eine erfolgreiche Behandlung von Krebsbetroffenen sind.
Preisträgerin 2026
Hazal Köse, PhD Charité - Universitätsmedizin Berlin
Hazal Köse, Doktorandin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, erhielt in diesem Jahr den Curt-Meyer-Gedächtnispreis. Sie erforscht das duktale Adenokarzinom des Pankreas, eine besonders aggressive Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs, bei der Therapien oft an Resistenzmechanismen scheitern.
In ihrer Arbeit zeigte sie, dass Krebszellen zwischen zwei zentralen Signalwegen wechseln, wenn einer therapeutisch blockiert wird – ein Mechanismus, der die Wirksamkeit gezielter Behandlungen einschränkt. Darauf aufbauend entwickelte sie eine kombinierte Strategie zur gleichzeitigen Hemmung beider Signalwege. In präklinischen Modellen hemmte dieser Ansatz das Tumorwachstum deutlich und stärkte zudem die Immunantwort.
Die Preisverleihung fand im Rahmen des Deutschen Krebskongresses 2026 statt.

Preisverleihung beim Deutschen Krebskongress 2026: Preisträgerin Hazal Köse mit Laudator Prof. Dr. Christian Scholz, 2. stv. Vorstandsvorsitzender der Berliner Krebsgesellschaft e.V., und Geschäftsführerin Barbara Kempf. Foto Simon Salzig
Am 20. Februar 2026 wurde Hazal Köse der Curt Meyer-Gedächtnispreis im Rahmen des Deutschen Krebskongresses 2026 für ihre herausragende Forschung zum duktalen Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) verliehen.
Das duktale Adenokarzinom des Pankreas zählt weiterhin zu den tödlichsten Krebserkrankungen. Trotz intensiver Forschung bleiben therapeutische Fortschritte begrenzt, insbesondere aufgrund ausgeprägter Resistenzmechanismen gegenüber Therapien.
Hazal Köse hat sich dieser Herausforderung mit beeindruckender wissenschaftlicher Klarheit gestellt. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die adaptiven Resistenzmechanismen, die gezielte Therapien bei KRAS-mutiertem PDAC einschränken. Sie und ihr Team entdeckten eine bisher unbekannte Wechselbeziehung zwischen der PI3K-Signalübertragung und dem SUMOylierungsmechanismus. Wenn ein Signalweg gehemmt wird, wechseln die Tumorzellen zum anderen und bilden so ein Netzwerk gegenseitiger Resistenz.
Aufbauend auf dieser Erkenntnis zeigte sie, dass die doppelte Hemmung von PI3K und SUMOylierung in präklinischen Modellen starke Antitumorwirkungen hervorruft. Wichtig ist, dass diese Kombination nicht nur das Tumorwachstum unterdrückt, sondern auch die tumorale Immunmikroumgebung umgestaltet, die Infiltration zytotoxischer T-Zellen verstärkt und einen stärker immunaktivierenden Makrophagenphänotyp fördert. Diese synergistischen Effekte wurden bei keiner der beiden Behandlungen für sich allein beobachtet.
Die Arbeit von Hazal Köse steht beispielhaft für moderne translationale Onkologie: Sie identifiziert klinisch relevante Resistenzmechanismen, entwickelt eine rationale therapeutische Strategie und verbindet Tumorbiologie mit gezielter Immunmodulation.
Ebenso hervorzuheben ist ihr Engagement für die klinische Translation. Im SPARK-Programm des Berlin Institute of Health hat sie den translationalen und regulatorischen Rahmen ihres Projekts weiterentwickelt.
Die Preisverleihung fand im Rahmen der Debattensitzung „Oligometastasierte Pankreaskarzinome und deren Behandlung“ beim Deutschen Krebskongress 2026 unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Ghadimi und Dr. Annabel Alig statt.
Preisträger 2022
Dr. Frederik Bartels, Charité
Dr. Frederik Bartels, Neurologe von der Klinik für Neurologie an der Charité Universitätsmedizin, erhielt 2022 den renommierten Curt Meyer-Gedächtnispreis. Der Preis ist der wichtigste Förderpreis für junge Krebsforscher:innen in Berlin. Gegen das Gehirn gerichtete Autoantikörper können zu Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen bei Menschen mit Tumorerkrankungen führen. Das fand Dr. Frederik Bartels am Beispiel des Lungenkrebses heraus. Die Verleihungen des Preises fand auf dem Deutschen Krebskongress 2022 in der Plenarsitzung Lungentumoren im CityCube Berlin statt.

Preisverleihung beim Deutschen Krebskongress 2022: Laudatorin Prof. Petra Feyer, Vorstandsvorsitzende der Berliner Krebsgesellschaft e.V. (rechts) und Geschäftsführerin Barbara Kempf ehren den Preisträger Dr. Frederik Bartels. Foto Gregor Zielke
Warum haben Tumorpatient:innen Schwierigkeiten mit der kognitiven Leistungsfähigkeit? Mit dieser Frage beschäftigt sich die von der Berliner Krebsgesellschaft e.V. ausgezeichnete Arbeit von Dr. Frederik Bartels, der an der Charité als Teilnehmer des Clinician Scientist Programms von Charité und Berlin Institute of Health (BIH) forscht.
Häufig leiden Menschen mit einer Krebserkrankung an kognitiven Defiziten (sogenannte „cancer-related cognitive impairments“, CRCI). Das können Gedächtnis- oder Aufmerksamkeitsstörungen sein, die aufgrund des verbesserten Langzeitüberlebens bei Tumorerkrankungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Diese kognitiven Beeinträchtigungen entwickeln sich unabhängig von einer Chemotherapie oder Bestrahlung und treten teilweise sogar vor Beginn der Tumortherapie auf.
Das ist auch bei Patient:innen mit Lungenkarzinom der Fall. Zur Ursachenforschung nahmen Neurologe Dr. Frederik Bartels um die Arbeitsgruppe „Kognitive Störungen bei neurologischen Erkrankungen“ von Prof. Carsten Finke bestimmte neuronale Autoantikörper in den Blick. Diese fehlgeleiteten Abwehrstoffe richten sich gegen das eigene Gehirn, anstatt vor Erregern zu schützen. Bartels und Team untersuchten erstmalig systematisch den Zusammenhang dieser neuronalen Autoantikörper und kognitiven Defiziten bei Patient:innen mit kleinzelligem und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Ihre Querschnittsstudie wies bei mehr als zwei Drittel der 167 Patient:innen mit Lungenkarzinom Autoantikörper gegen das Gehirn nach, die mit kognitiven Beeinträchtigungen in Verbindung stehen.
„Was wir im Rahmen der Studie sehen ist, dass bestimmte Autoantikörper bei Lungenkarzinompatient:innen häufiger auftreten, als bei gesunden Menschen. Wir gehen beim Verständnis der Antikörper davon aus, dass es unterschiedliche Ursachen gibt, warum sie sich gegen das eigene Nervensystem richten. Die Tumorerkrankung kann ein Auslöser für diesen Mechanismus sein“, so Frederik Bartels. Wenn also Lungenkrebspatient:innen an Aufmerksamkeitsstörungen oder Störungen des verbalen Gedächtnises leiden, kann das daran liegen, dass sich das eigene Immunsystem gegen neuronale Strukturen im Gehirn wenden.
Professorin Petra Feyer, Vorstandsvorsitzende der Berliner Krebsgesellschaft e.V., überreichte den Curt Meyer-Gedächtnispreis im Rahmen der Plenarsitzung Lungentumore beim Deutschen Krebskongress 2022. „Die Forschungsergebnisse von Dr. Frederik Bartels sind zukunftsträchtig. Denn sie können dazu beitragen, dass neue Therapiemöglichkeiten in der Behandlung von immunvermittelten neurologischen Beeinträchtigungen bei Patient:innen mit Lungenkrebs entwickelt werden.“
Preisträger:innen 2021
Dr. Laura Schmalbrock , Charité, und Matthias Jürgen Schmitt, MDC
Dr. Laura Schmalbrock

Preisverleihung bei der Jahrestagung der DGHO: Laudator Prof. Dr. Lars Bullinger, Direktor der Med. Klinik m.S. Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie (r.) und Barbara Kempf (l.), Geschäftsführerin der Berliner Krebsgesellschaft e.V. ehren die Preisträgerin Dr. Laura Schmalbrock. © DGHO | Timo Schmidt
Mechanismen verstehen
Die Ursachen, die zu einem Therapieversagen führen, sind bislang erst wenig erforscht. Schmalbrock untersucht, warum manche Patientinnen und Patienten mit AML auf eine bewährte Behandlungsmethode mit sogenannten Tyrosinkinase-Inhibitoren – einer spezifischen Wirkstoffklasse – in Kombination mit Chemotherapie nicht reagieren oder nach Ansprechen einen Rückfall der Krankheit erleiden.Um die Mechanismen dieser Resistenzentwicklung gegen die Behandlung zu untersuchen, führte die Hämatologin Mutationsanalysen mittels Exon-Sequenzierung bei 75 Patientinnen und Patienten mit AML durch. Durch den Vergleich der Mutationen zum Zeitpunkt der Diagnose und zum Zeitpunkt des Rückfalls identifizierte Dr. Schmalbrock Veränderungen der Mutationsmuster, die bei der Resistenzentstehung eine Rolle spielen. Dieses Wissen trägt nun dazu bei, zukünftig besser zu verstehen, warum Therapien in dieser entsprechenden Kombination bei AML scheitern können.
Matthias Jürgen Schmitt

Bringt Licht ins Dunkel des Glioblastoms: Matthias Schmitt
Das Licht in der Zelle anschalten
Jedes Jahr erkranken etwa 4.800 Menschen am überaus aggressiven Glioblastom. Anders als bei vielen anderen Krebserkrankungen kehrt der Tumor auch nach Operation und anschließender Bestrahlung unweigerlich zurück. Um nach neuen Therapieoptionen suchen zu können, müssen die Resistenzmechanismen aufgedeckt werden. Molekulare Reporter machen den „Identitätswechsel“ sichtbar, den die einzelnen Zellen eines Glioblastoms im Laufe der Zeit durchmachen, insbesondere wenn der Tumor nach der Therapie zurückkehrt.
Molekulare Reporter sind synthetische Kopien von DNA-Sequenzen, welche die Aktivität jener Gene regulieren, die die Zellumwandlung in Gang setzen oder stoppen. Einzelansicht „Wir haben quasi das komplette ,Regulatom‘ dieser Signaturgene in einem kleinen DNA-Stück zusammengefasst und mit einem fluoreszierenden Protein verknüpft“, erklärt Schmitt. „Wenn sich der Zellzustand ändert, werden bestimmte Transkriptionsfaktoren aktiv, binden an den entsprechenden Zielgenen – und an unseren Reporter. Und dann geht in der Zelle das Licht an.“
So zeigen die Forschenden unter anderem, dass Immunzellen die Tumorzellen regelrecht verteidigen, anstatt sie zu bekämpfen. Sie können auch in Echtzeit verfolgen, wie einzelne Tumorzellen auf bestimmte Therapien reagieren. Das Team will nun herausfinden, ob und wie es möglich ist, die Immunzellen davon abzuhalten, die Tumorzellen zu unterstützen.

Julia Repke
Referentin der Geschäftsführung,
Gremien
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