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Tastuntersuchung der Brust

Die Selbstuntersuchung der Brust scheint für uns Frauen ein einigermaßen heikles Thema zu sein. Diese führt der Gynäkologe unseres Vertrauens durch, ohne dass wir genau wissen, was unser Arzt eigentlich tut. Es wird jedoch empfohlen die Brüste selbst weitaus öfter auf knotige Veränderungen hin zu untersuchen. Wissen wir Frauen eigentlich, wie wir unsere eigenen Brüste richtig abtasten? Und viel wichtiger, tun wir es denn auch oder hemmt uns die Befürchtung tatsächlich einen Knoten in einem unserer liebsten Körperteile zu entdecken? Zur praktischen Handhabung und Bedeutsamkeit der Brustuntersuchung fragen wir bei einem Senologen, Dr. med Holger Schultz, Oberarzt im Brustzentrum Helios Klinikum Berlin-Buch, nach.

Herr Dr. Schultz, sind wir Frauen, wir Berlinerinnen, in Sachen Selbstuntersuchung der Brust emanzipiert im Sinne von eigenverantwortlich?
Ich denke schon. Vor allem jüngere Frauen besitzen ein gutes Körpergefühl und kennen ihre Brüste in den unterschiedlichen Phasen des monatlichen Zyklus sehr gut. Dementsprechend messe ich der Selbstuntersuchung der Brust eine hohe Bedeutung bei. Diese Untersuchung in Eigenregie ist sozusagen die Basis der Früherkennung, zumindest in der Altersgruppe der unter 50jährigen. Ab dem 50. Lebensjahr besteht zusätzlich die Möglichkeit an einem Mammographiescreening teilzunehmen.

Für diejenigen, die trotzdem noch etwas ratlos sind, können Sie uns Vorteile der Selbstuntersuchung nennen? Selbstverständlich. Vielleicht ist es an der Zeit den Blickwinkel auf die Selbstuntersuchung der Brust etwas zu modifizieren. Das Abtasten ist nicht etwa eine unangenehme oder gar überflüssige Untersuchung, sondern im Gegenteil ist es ein für die Frau leicht durchzuführendes und vor allem gewinnbringendes Ritual. Ein großer Vorteil liegt darin begründet, dass niemand diese Untersuchung besser vornehmen könnte, als die Frauen selbst. Im Gegensatz zu anderen, inneren Organen ist die Brust äußerlich einer Tastuntersuchung und optischen Begutachtung sehr gut zugängig. Schon durch die bloße Beobachtung der beidseitigen Brustkonturen können Frauen Veränderungen wahrnehmen. Dabei sollten Sie auf Auffälligkeiten der Haut und der Brustwarzen achten. Ein ernst zu nehmendes Symptom kann beispielsweise der Austritt von Flüssigkeit oder Blut aus der Brustwarze sein. Ferner sollte man einer Dellenbildung oder einem Einzug unbedingt nachgehen. Optisch und haptisch sollten Frauen ihre Brüste sozusagen gut im Blick behalten.

Gut, und haptisch untersucht, mal ganz praktisch? Primär ist es von Bedeutung ein Gefühl für das tiefere Gewebe der Brust zu entwickeln, sodass knotige Veränderungen wahrgenommen werden können. Dafür begeben Sie sich stets in die gleiche Untersuchungssituation. Entweder tasten Sie vor dem Spiegel stehend oder im Bett liegend, mit erhobenen Armen. Der Zeitpunkt im monatlichen Zyklus sollte einheitlich gewählt werden. Sie tasten alle vier Quadranten der Brust flächendeckend ab. Zum Bereich der Brust zählen ebenso die Brustwarzen und Achselhöhlen. Denn auch in den Lymphknoten finden sich manchmal Tumore, die gut ertastet werden können.

Und wenn Frau nun etwas ertastet, was dann? Ganz klar, dann muss man dem tatsächlich schnellstmöglich nachgehen und sich an den Hausarzt oder Gynäkologen wenden. Angemerkt sei, dass die Unsicherheit etwas zu entdecken im Falle von Brustkrebs ein schlechter Ratgeber ist. Diese Befürchtung sollte die Frauen weder von der Selbstuntersuchung, noch von der Mammographie abhalten. Vielmehr gilt es das Bewusstsein in den Vordergrund zu rücken, dass durch eine frühzeitige Entdeckung eine geeignete Diagnostik eingeleitet werden kann.

Richtig, aber woran erkenne ich einen bösartigen Knoten? Die Qualität eines Knotens können Sie durch das Abtasten allein nicht feststellen. Auch wir, die dem beruflich tagtäglich nachgehen, können das nicht. Es gibt sehr vielfältige Ursachen für die Veränderung des Brustdrüsengewebes. Da das Organ ein Pendant auf der anderen Seite hat, gewinnt man schon im Seitenvergleich einen guten Eindruck, ob eine Veränderung tatsächlich auffällig ist. Wenn eine Unregelmäßigkeit auch nach vier Wochen noch anhält, und eher wächst oder härter wird, oder wenn ein Ziehen und unspezifische Schmerzen auftreten, dann sollte man unbedingt reagieren. Trotzdem ist dies noch kein Anlass in Panik zu verfallen, häufig sind bei jungen Frauen gutartige Veränderungen ursächlich.

Gibt es eine Vorsorge im Hinblick auf Brustkrebs? Es gibt in dem Sinne leider keine Vorsorge, sondern lediglich die frühestmögliche Erkennung eines Tumors. Diese können Frauen durch die Selbstuntersuchung leisten. Eine weitere Möglichkeit wäre bei begründeten Verdachtsmomenten eine Ultraschalluntersuchung. Für Frauen in der Altersgruppe von 50 bis 70 Jahren bieten wir in Deutschland alle zwei Jahre ein Mammographiescreening an.

Das Interview führte Maren Minow. Es ist in der Ausgabe 5/2018 der Zeitschrift "Berlinerin" erschienen.

Führen Sie die Tastuntersuchung regelmäßig, entweder liegend oder stehend durch. Beginnen Sie damit in der Achselhöhle. Tasten Sie mit den Fingerspitzen in streichenden Bewegungen bis zur Brustunterfalte.

Tasten Sie nun in gleichmäßigen Streichbewegungen über jeden Bereich der Brust. Achten Sie auf knotige Veränderungen oder schmerzhafte, ziehende Stellen und auch auf optische Veränderungen der Haut.

Tasten Sie dann die Brustwarzen und den Bereich außenrum ab. Achten Sie auch hier auf optische Veränderungen. Wird die Haut an einer Stelle eingezogen oder tritt Flüssigkeit aus der Brustwarze, suchen Sie das Gespräch mit ihrem Arzt.

Denken Sie auch an den oberen Bereich in Richtung Brustbein. Auch dieser Bereich sollte sorgfältig abgetastet und geprüft werden.

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