Historisches

Senatsrat a. D. Dr. med. Curt Meyer (*7.3.1891 †24.11.1984) hat die Berliner Krebsgesellschaft e.V. gegründet. Er ist 20 Jahre im Verein als Geschäftsführer tätig gewesen.

Nach Medizinstudium, Promotion und Kriegsdienst praktizierte Dr. med. Curt Meyer von 1920 bis 1939 als niedergelassener Arzt in Gotha. Restriktionen durch das NS-Regime führten dazu, dass er ab 1939 in der Poliklinik der Jüdischen Gemeinde Berlin und dann im Jüdischen Krankenhaus arbeitete. Im April 1944 wurde er inhaftiert und befand sich bis zur Befreiung im Mai 1945 in den Konzentrationslagern Auschwitz, Neuengamme und Sandbostel. Nach einer kurzen ärztlichen Tätigkeit in Hannover wurde er im April 1946 Dezernent für Sozialhygiene im Landesgesundheitsamt Berlin und wirkte an der Gestaltung der Gesundheitspolitik in den Nachkriegsjahren mit.

Angesichts der mangelnden Versorgung Krebskranker rief Meyer im Juli 1949 eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben. Sie diente dem Berliner Senator für Gesundheitswesen als beratendes Gremium. Im Sammelband "Die fürsorgerische und organisatorische Krebsbekämpfung in Berlin 1945 - 1952"* betonte Curt Meyer die Notwendigkeit von Krebsbekämpfung aufgrund von gehäuft auftretenden Krebstodesfällen und die damit einhergehende Bedeutung von Früherkennung zur effektiven Behandlung sowie von Vorsorgeuntersuchungen bei Gesunden, da viele Krebsarten symptomlos blieben. Als weitere wichtige organisatorische Maßnahme sah er die nachgehende Krebskrankenfürsorge an, welche zum frühzeitigen Erkennen von Rezidiven und Metastasen beitragen und soziale und wirtschaftliche Unterstützung für die Krebskranken und deren Familien ermöglichen sollte. Eine weitere von Curt Meyer hervorgehobene Aufgabe war das Führen einer Krebsstatistik, die nicht nur darauf abzielte, die Mortalität, sondern auch die Morbidität in den Krebsfürsorgestellen zu erfassen. 

Acht Jahre später sollte aus der Arbeitsgemeinschaft ein eigenständiger Ausschuss - der Landesausschuss Berlin für Krebsbekämpfung – Landesstelle des Deutschen Zentralausschusses für Krebsbekämpfung und Krebsforschung e.V. werden. Dieser Ausschuss wurde in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins organisiert und stellt die Vorläuferorganisation der heutigen Berliner Krebsgesellschaft e.V. dar.

Durch die amtliche Zuerkennung der Gemeinnützigkeit im Jahr 1971 erhielt der Ausschuss die Befugnis, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Sie bildeten die Grundlage für die Weiterentwicklung der Organisation, die sich in den Folgejahren der Förderung von Wissenschaft und Forschung verschrieb. Später formte der Verein einen psychosozialen Beratungsdienst mit festen Zeiten.

Die praktische Krebsbekämpfung, die Aufklärung der Bevölkerung und die Unterstützung der Krebsforschung stehen heute als gleichbedeutende Ziele nebeneinander und werden von der Gesellschaft auch nach über 50 Jahren Entwicklung konsequent verfolgt.

Seit 1988 vergibt die Berliner Krebsgesellschaft im Andenken an Dr. Curt Meyer jährlich den Curt Meyer-Gedächtnispreis für eine hausragende Forschungsarbeit in der Onkologie. 

* Meyer, Curt: Die fürsorgerische und organisatorische Krebsbekämpfung in Berlin 1945 - 1952. Hrsg: Senatsverwaltung für Gesundheitswesen. Berlin. 1953

Dr. med. Curt Meyer