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Erblichen Krebs erkennen

Etwa zehn Prozent aller Krebserkrankungen zeigen eine familiäre Häufung.. Von familiärem oder erblichem Krebs spricht man, wenn eine Person aufgrund einer vererbten Genmutation ein erhöhtes Risiko hat, an diesem Tumor zu erkranken. In der Regel ist nur eine einzige Mutation ausschlaggebend für das erhöhte Risiko. Diese genetische Veränderung wird dann von Generation zu Generation weitergegeben. Das bedeutet aber nicht, dass jedes Familienmitglied die Genmutation in sich trägt. Bei erstgradigen Verwandten, also Eltern, Kinder und Geschwistern, beträgt das Risiko ungefähr 50 Prozent. So kann die eine Tochter das mutierte Brustkrebsgen von der Mutter geerbt haben und die andere nicht.

Bricht erblicher Krebs immer aus?

Selbst wenn die Gen-Mutation vererbt worden ist: Krebs entsteht erst, wenn im Laufe des Lebens weitere Mutationen und andere Faktoren hinzukommen. Deshalb erkranken bei weitem nicht alle Träger der Mutation, sondern immer nur ein gewisser Teil. Dieser Anteil ist von Krebserkrankung zu Krebserkrankung verschieden.

 

Besonders hoch ist das Erkrankungsrisiko bei erblichem Brustkrebs. Zwei Drittel der Frauen, die eine Mutation des Brustkrebsgens BRCA1 in sich tragen, erkranken bis zum 70. Lebensjahr an einem Tumor in der Brust. Bei BRCA2-Mutationsträgerinnen ist es knapp die Hälfte. Erbliche BRCA-Mutationen erhöhen darüber hinaus das Risiko für Eierstockkrebs: Etwa die Hälfte der Frauen mit BRCA1-Mutation und jede zehnte mit BRCA2-Mutation erhält bis zu ihrem 70. Lebensjahr diese Diagnose.

Während schätzungsweise 15 Prozent aller Brustkrebsfälle vererbt sind, kommen auf 100 Fälle von Dickdarmkrebs rund 3 bis 5 hereditäre nicht polypöse Colon-Carcinome(HNPCC). Dieser erblich bedingte Dickdarmkrebs, der auch Lynch-Syndrome heißt, geht oft mit anderen Tumoren einher, bei Frauen etwa in der Gebärmutter. Wie bei anderem erblichen Krebs auch erkranken die Betroffenen meist schon in jungen Jahren.

Krebsforscher vermuten inzwischen, dass eine familiäre Belastung bei vielen Krebsformen eine Rolle spielt. Die ausschlaggebenden Krebsgene sind jedoch meist noch nicht bekannt.

Wie finde ich heraus, ob ich erblich belastet bin?

Ein Blick in die Familiengeschichte gibt Hinweise, ob eine familiäre Veranlagung vorliegt. Treten in der Familie gehäuft Fälle einer bestimmten Krebserkrankung auf oder erkrankt ein Verwandter ersten Grades unter dem 50. Lebensjahr, ist besondere Wachsamkeit geboten. Wer eine derartige Auffälligkeit in der Familie feststellt, sollte das mit seinem Arzt besprechen. Bei ernsthaftem Verdacht helfen genetische Beratungsstellen wie das Institut für Medizinische Genetik der Charité weiter. Hier werden die Betroffen über den Test als auch die Konsequenzen, die daraus folgen, umfassend aufgeklärt (zum Beispiel Ovarektomie und Mastektomie).

Wer sich auf sein persönliches Krebsrisiko testen lassen will, muss allerdings strenge, international gültige Kriterien der familiären Belastung mit Tumorerkrankungen erfüllen. Die Krankenkassen zahlen den Test nämlich nur, wenn er medizinisch notwendig ist.

Stand 6/2017